Anwaltskanzlei von der Kirche beauftragt, Untersuchung durchzuführen

Javier Cremades (l.), Präsident der Anwaltskanzlei Cremades & Calvo Sotelo, und Juan José Omella (r.), Präsident der Spanischen Bischofskonferenz, bei der Vorstellung der Untersuchung Foto: EFE

Javier Cremades (l.), Präsident der Anwaltskanzlei Cremades & Calvo Sotelo, und Juan José Omella (r.), Präsident der Spanischen Bischofskonferenz, bei der Vorstellung der Untersuchung Foto: EFE

Die Kirche bietet Zusammenarbeit bei der Untersuchung an

Madrid – Die katholische Kirche steht seit Jahren im Blickpunkt der Öffentlichkeit wegen der ungeklärten Fällen von Kindesmissbrauch. In den nächsten Tagen wird im Kongress über eine unabhängige Untersuchungskommission abgestimmt, die die Übergriffe auf Minderjährige, die bislang völlig ungestraft geblieben sind und von den Bischöfen nie zur Aufklärung gebracht wurden, untersuchen wird. Die katholische Kirche will aber selbst tätig werden und hat eine Anwaltskanzlei mit einer Untersuchung der Fälle beauftragt.

Kardinal Juan José Omella, Präsident der Spanischen Bischofskonferenz, bestätigte in einer Pressekonferenz am Sitz der Kanzlei in Madrid, dass die Kirche mit der Kanzlei zusammenarbeiten wird. Omella betonte, dass diese Untersuchung keine Alternative zu der von der Regierung eingeleiteten Untersuchung sei, sondern eine Ergänzung dazu. Er begann seine Erklärung mit einer Entschuldigung für den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen.

Unmittelbar danach fügte er hinzu, dass der Missbrauch in anderen Institutionen ebenfalls untersucht werden sollte. Weiterhin erklärte er, die Kirche habe, durch die 40 Büros ihrer Diözesen, diese Fälle schon lange untersucht. Die Verbände der Opfer haben jedoch wiederholt auf die Unwirksamkeit dieser Stellen und der von ihnen in Gang gesetzten Untersuchungen hingewiesen.

Omella informierte die Medien, nachdem die Zeitung EL País eine Recherche mit 251 ungeklärten Fällen in Spanien an die Spanische Bischofskonferenz und den Vatikan geschickt hat. Nach Erhalt des Dossiers hat der Vatikan eine Untersuchung in dieser Angelegenheit eingeleitet. Auf die Frage, warum diese Initiative so lange auf sich warten ließ, erklärte Omella: „Die Kirche braucht Zeit, um nachzudenken und eine Entscheidung zu treffen“. Er fügte hinzu, er sei bereit, „vor den Opfern Verantwortung zu übernehmen”. Weiterhin erklärte der Kardinal, dass die Spanische Ordenskonferenz ebenfalls an der Untersuchung beteiligt sein wird. In den Schulen, die die Ordenskonferenz leitet, sind die meisten Fälle von Kindesmissbrauch aufgetreten. Den Angaben der Zeitung El País zufolge, sind bislang 611 Fälle und 1.246 Opfer bekannt geworden. Eine offizielle Statistik der Regierung oder der Kirche existiert zurzeit nicht.

Unparteilichkeit nicht garantiert

Eine der größten Sorgen der Opferverbände ist, dass die Kirche mit dieser Untersuchung „gegen sich selbst ermittelt“ und deshalb nicht unparteiisch sein kann. Der Präsident der Anwaltskanzlei, Javier Cremades, der zum Opus Dei gehört, hat versucht, die Zweifel der Opferverbände zu zerstreuen: „Wir werden tun, was wir können. Wir haben den Auftrag angenommen, um unabhängig zu ermitteln, und in Zusammenarbeit mit den Diözesen zu handeln. Wir wollen keine Alternative zu anderen Untersuchungen sein, sondern sie unterstützen“. Cremades betonte, dass die Kanzlei eine vollständige Untersuchung der unaufgeklärten Fälle durchführen wird. Sie werde für diese Untersuchung kein Honorar verlangen und sich darauf beschränken, nur die mit der Untersuchung verbundenen Kosten weiterzugeben. Was einen finanziellen Aufwand für die Kirche bedeuten wird, ist die Entschädigung der Opfer, die sowohl der Kardinal als auch Javier Cremades als selbstverständlich erachtet haben.

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