„Das katalanische Ego ist wichtiger als die Information“


Marcel Haenen kommentiert auf Twitter, er habe nun einen eigenen hashtag in Katalonien. Foto: TwitteR@MarcelHaenen

Barcelona – Marcel Haenen war nach Barcelona gereist, um für seinen Arbeitgeber, die bekannte holländische Zeitung NRC, über die Terroranschläge zu berichten. Nicht einmal im Traum hätte er sich vorstellen können, dass er zu einem hashtag und später sogar zu  nationalen Schlagzeilen Anlass geben würde. Um es in einem einzigen Satz zusammenzufassen: „Scheinbar steht das katalanische Ego über der Pflicht, die Menschen zu informieren“.

Der Journalist, 1960 in der holländischen Stadt Limbourg geboren, kann auf eine erfolgreiche journalistische Laufbahn zurückblicken. Für die Zeitung NRC berichtet er bevorzugt über Gerichtsprozesse und Justizange­legenheiten. Sein Ziel sei es, komplett alles zu verstehen, was bei den Pressekonferenzen der katalanischen Polizei Mossos d’Escuadra erklärt wird, um wörtlich über die neuesten Ergebnisse der polizeilichen Untersuchungen berichten zu können. „Es reicht mir nicht, die Dinge mehr oder weniger zu verstehen. Wenn ich nicht verstehe, was erzählt wird, wie kann ich es meinen Lesern erklären“, sagte er wörtlich.

Er möchte in keiner Weise mit der Unabhängigkeit Kataloniens in Verbindung gebracht werden, denn er habe keine Meinung zu dieser Angelegenheit. Er habe auch nicht den Konflikt gesucht und sich nicht vorstellen können, dass dies passieren könne. „Ich bin gegangen, weil ich mich in dem Pressesaal gelangweilt habe, denn ich habe kein einziges Wort verstanden, dabei sollte ich über eine  Tragödie von internationalem Ausmaß berichten“, erklärte er bei einem Gespräch mit einer nationalen Zeitung.

In perfektem Spanisch versicherte Haenen, alles sei nur wegen seiner völlig harmlosen Bitte an den „Mayor“ der Mossos, Josep Lluis Trapero, entstanden, den er um ein bisschen Verständnis gebeten hatte. In seiner holländischen Heimat halte man die Pressekonferenzen in Englisch ab, um den Reportern die Arbeit zu erleichtern, wenn es sich um Ereignisse von internationalem Ausmaß handele.

„Das ist keine lokale katalanische Angelegenheit, es hat auch holländische, deutsche und amerikanische Opfer gegeben, und wir alle wollten uns über die letzten Neuigkeiten informieren“, erklärte er wörtlich.

Der Holländer erinnerte sich genau, was passiert ist: „Etwas 30 Minuten nach einer Erklärung in Katalanisch ohne Übersetzung hatte Trapero erklärt, er werde nun auf die Fragen der katalanischen Pressevertreter antworten. Doch wir waren viele Ausländer, aber alle sprachen spanisch. Neben mir saß ein Journalist der New York Times, der total verzweifelt war. Wir waren es alle leid, und so bat ich Trapero, doch in einer Sprache zu reden, die wir alle verstehen konnten. Dann stand ich auf, um den Saal zu verlassen und vor Ort Informationen zu suchen, denn es war sinnlos, noch zu bleiben.“ Erst am nächsten Tag erfuhr er, dass Trapero ihm „Bueno, pues molt bé, pues adios,“ nachgerufen hatte.

Er hätte diesem Zwischenfall keine weitere Bedeutung beigemessen, wäre nicht bei Twitter ein Video seines Wortwechsels mit Trapero erschienen, für den ein spanischer Journalist verantwortlich gemacht wurde. „Dann wurde ich als alles Mögliche beschimpft, denn die Leute haben es mit Angelegenheiten der Unabhängigkeit und des Terrorismus vermischt, und damit habe ich nichts zu tun. Einige haben mich sogar einen Faschisten genannt, und wir Holländer sind doch als Antifaschisten bekannt“, erklärte er unter anderem. Er habe auch sehr das unkollegiale Verhalten der katalanischen Kollegen bedauert. Dabei sei es im Grunde doch nur um die eine Frage gegangen: „12 junge Menschen haben sich radikalisiert, und niemand hat es bemerkt“.

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