Der Kampf gegen die Probebohrungen wird energisch fortgeführt


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Trotz Rückschlägen geht die Regionalregierung entschlossen gegen die geplanten Probebohrungen vor den kanarischen Küsten vor

Vor Kurzem mussten die Kanarischen Inseln in ihrem Kampf gegen die Probebohrungen vor den eigenen Küsten einen Rückschlag einstecken, als die Europäische Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs (European Maritime Safety Agency, EMSA) ein Einschreiten ablehnte.

Louis Baumard von der EMSA wies jedoch auf die Verantwortlichkeit der Förderunternehmen hin. Er stellte klar, diese seien verpflichtet, im Vorhinein eine ausführliche Risikostudie auszuarbeiten und einen Notfallplan zu erstellen. Darüber hinaus müssten sie nachweisen, für die aufgrund eines Unglücks entstandenen Schäden an Umwelt, Fauna und Flora finanziell voll aufkommen zu können. Des Weiteren müsse das Umweltministerium die Probebohrungen genehmigen.

Zwar liegt diese Erlaubnis noch nicht vor, doch Präsident Mariano Rajoy und Industrie- und Energieminister José Manuel Soria lassen keine Gelegenheit aus, dem Vorhaben ihre Unterstützung auszusprechen, sodass mit der Erteilung der Genehmigung zu rechnen ist. Soria kündigte noch vor Kurzem an, Repsol würde mit den Probebohrungen zwischen Juli und September beginnen.

Zumindest beschloss das EU-Parlament aufgrund einer entsprechenden Petition, die Probebohrungen vor Lanzarote und Fuerteventura genauestens zu beobachten und zu verfolgen.

Keine Vorteile, nur Risiken

Derweil bleibt der Widerstand von Politik und Bevölkerung ungebrochen. Vor Kurzem wurde bekannt, dass im vergangenen Jahr 11.000 Eiwendungen gegen die Probebohrungen eingereicht wurden, die von 60% der Canarios insgesamt und von über 70% der Einwohner Lanzarotes und Fuerteventuras abgelehnt werden.

Trotz der Rückschläge führt die Regionalregierung den Kampf an allen Fronten weiter. Beim Obersten Gerichtshof seien entsprechende Verfahren anhängig, im Internet würden Unterschriften gesammelt und auf den Inseln Demonstrationsveranstaltungen organisiert, erklärte Fernando Ríos von der Regionalregierung.

Er bezichtigte Repsol, falsche Werbung für die Ölförderung unter der Bevölkerung zu betreiben, beispielsweise an eigens errichteten Info-Ständen in den größeren Städten. Nach den Angaben von Ríos würden auf den Kanaren keinesfalls Tausende neuer Arbeitsplätze für die Bevölkerung geschaffen, die Gewinne nicht auf die Inseln fließen, schließlich würde das Öl noch nicht einmal in Teneriffas Raffinerie verarbeitet. 

„Die Gewinne werden allein Repsol zukommen, die Risiken allein den Inseln,“ so Ríos empört.

Ein eigener Notfallplan

Trotz ihres ungebrochenen Kampfeswillens hat die Regionalregierung beschlossen, selbst einen Notfallplan zu erstellen, um gegen eine Ölkatastrophe gewappnet zu sein. Fernando Ríos erklärte: „Wir misstrauen Repsol und der staatlichen Verwaltung bezüglich ihrer vermeintlichen Fähigkeit, eine Katastrophe abwenden zu können, die unsere Küsten und Infrastrukturen bedroht. Deswegen müssen wir einen eigenen Notfallplan erstellen.“

Scheinbar verfügt man in Madrid zwar tatsächlich über einen solchen, doch ist dieser generell gehalten und nicht auf die Kanarischen Inseln abgestimmt. Darüber hinaus sollen die nötigen Ölbarrieren und Dispergatoren einzig und allein auf dem Festland vorhanden sein.

Ein Grund mehr für die hiesige politische Führungsspitze, konkrete Notfallmaßnahmen zu erstellen für den Schutz der Wasserentsalzungsanlagen, der Häfen, der Fischereigebiete oder der Strände, so heißt es aus Regierungskreisen. Darüber hinaus müsse erst einmal untersucht werden, wohin sich ein etwaiger Ölteppich überhaupt ausbreiten würde, denn im Ministerium sei dies nicht bekannt.

Repsol jedenfalls gab vor Kurzem im Gespräch mit der Zeitung El País bekannt, an der Erstellung eines Notfallplanes zu arbeiten, stritt jedoch ein etwaiges Risiko ab und bezifferte dieses auf 1:50.000. Dabei soll der Ölkonzern jedoch verschwiegen haben, zwischen 2006 und 2010 für 6.900 Fälle ausgetretenen Erdöls verantwortlich gewesen zu sein, berichtete eine Zeitung.

Rick Steiner, bis 2010 Professor an der Universität von Alaska, Experte in Meeresschutz und Berater diverser Länderregierungen in Sachen Offshore-Förderung, warnte, das tatsächliche Risiko von Probebohrungen und Ölförderung vor den kanarischen Küsten sei 60-mal höher als von Repsol angegeben. Der Druck, die Temperatur und die Risiken der Quellen sei vergleichbar mit den Werten der Macondo-Quelle, der Unglücksquelle im mexikanischen Golf.

Es wurde übrigens bekannt, dass der schottische Ölkonzern Cairn Energy bei den Probebohrungen nur 150 Kilometer nordöstlich von Lanzarote und in marokkanischen Gewässern (das Wochenblatt berichtete) nicht fündig geworden ist.

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