Echsen, Riesenschildkröten und Monsterratten


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Kanarisches Urgetier

Nur wenige Menschen wissen, welch reichhaltige Fauna vor Millionen von Jahren auf den Kanaren existierte.

Um dieser Unkenntnis abzuhelfen, erklärte die Geologin und Paläontologin Esther Martín vom Museum der Naturwissenschaften Teneriffa der Presse einige der interessanten Funde, die auf den Inseln schon gemacht wurden. Besonders zwei geologischen Formationen ist es zu verdanken, dass diverse Fossilien gut konserviert und für die Forscher aufbewahrt wurden: Vulkanhöhlen und versteinerte Dünen. In beiden werden die Paläontologen häufig fündig. Spektakulär sind zum Beispiel die Riesenschildkröten, so groß wie die auf Galápagos, deren Reste auf Lanzarote, Fuerteventura, Gran Canaria und im Süden von Teneriffa gefunden wurden. Meist sind es Teile des Panzers, Knochen oder Eier bis hin zu komplett versteinerten Nestern, die man entdeckt. Zusammen mit den Resten fand man auf Teneriffa Asche und vulkanisches Material, so dass man vermutet, die hiesigen Riesenschildkröten seien durch Vulkaneruptionen ausgestorben.

Auch die Rieseneidechsen, die bis zu 1,50 lang werden konnten, waren auf den Inseln heimisch. An deren Aussterben könnten aber vermutlich die Ureinwohner schuld gewesen sein, die sie als willkommene Eiweißquelle zubereiteten, wie auch heute noch andernorts Schlangen und Leguane verspeist werden.

Selbst Ratten brachten es auf ein stattliches Format, denn sie wurden so groß wie Katzen. Ihr Aussterben könnte durch die vom Menschen mitgebrachten Haustiere, etwa Hunde, bedingt sein.

Doch auch die Meeresfauna war damals anders als heute. Eine bedeutende Fundstätte gibt es bei Ajuí auf Fuerteventura. Hier schichten sich Fossilien, die zwischen 60 und 140 Millionen Jahre alt sein sollen. Eine andere Fundstätte, die „Terraza de Las Palmas“, befand sich in der der Nähe der Hauptstadt. Sie wurde schon von dem Engländer Charles Lyell im 19. Jahrhundert bei seinem Besuch auf den Kanaren beschrieben. Er gilt als „Vater der modernen Geologie“. Seither ist sie aber von der wachsenden Stadt begraben worden, nur ein paar Stellen konnten geschützt werden. Die dort ausgegrabenen Fossilien kann man heute im Museo Canario sehen, einige auch auf Teneriffa im naturwissenschaftlichen Museum in Santa Cruz.

Auf den westlichen Inseln findet man weniger Fossilien als auf den östlichen, da sie jünger sind und während ihrem vulkanischen Wachstum viele Fundorte zerstört wurden. So ist man auf seltene Glücksfälle angewiesen wie Tachero an der Anagaküste, wo Fossilien durch eine Sturmflut freigelegt wurden oder im Tenogebiet, wo noch „viel Arbeit auf die Paläontologen wartet“, wie Esther Martín ankündigte.

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