Kontroverse um touristisches Megaprojekt

Aktivisten campen seit Wochen auf der Baustelle und haben zum Teil die Bagger besetzt, um die Bauarbeiten zu stoppen. Fotos: NOTICIA/WB

Belgische Investoren bauen in El Puertito de Adeje eine luxuriöse Wohnanlage mit 420 Villen und Apartments

Teneriffa – Mit der Grundsteinlegung als Symbol des Baustarts am 5. Mai dieses Jahres begann auf Teneriffa ein neuer Kampf von Umweltschützern und -aktivisten gegen ein touristisches Großprojekt. Diverse Organisationen, darunter Asociación Tinerfeña de Amigos de La Naturaleza (ATAN), Salvar La Tejita, Lucha Ecológica Canaria Group und Fundación Canarina, versuchen, die Umsetzung des Projekts „Cuna del Alma“ zu verhindern. Dabei geht es um den Bau von 420 Luxusvillen auf einem 437.000 Quadratmeter großen Grundstück in El Puertito de Adeje, das allerdings nach Auskunft der Bauträger nur zu einem Teil (136.000 qm) bebaut werden soll. Auf der Website cunadelalma.com werden unterschiedlich große und mehrstöckige Villen sowie „Beach-Apartments“ angeboten, die in Terrassenbauweise in die Landschaft eingebettet werden sollen. Der kleine Sandstrand von El Puertito soll die paradiesische Atlantikkulisse bilden.

Hinter dem Projekt stehen belgische Investoren, die Familien Vandermarliere und Van Biervliet, mit einem beachtlichen Portfolio an Immobilienprojekten auf internationaler Ebene, dank ihren Holdings GT&Co und Fivanco. Auf Teneriffa zählen touristische Luxusanlagen wie Baobab Suites und Royal Hideaway Corales Resort, beide in Adeje, dazu.

Das ebenfalls im Gemeindegebiet Adeje begonnene neue touristische Megaprojekt „Cuna del Alma“ ist als Inbegriff des Luxus geplant und wird eine Investition von 350 Millionen Euro erfordern. Bis 2025 sollen die ersten 108 Wohneinheiten fertig sein. Restaurants, ein Spa, Pools, ein Beach-Club und eine eigene „Farm“, auf der Papayas, Avocados, Kartoffeln, Bananen und Mangos angebaut werden sollen, ergänzen das Angebot und sollen „Cuna del Alma“ zu einer Oase des Genusses und des Wohlbefindens machen.

Aktivisten campen seit Wochen auf der Baustelle und haben zum Teil die Bagger besetzt, um die Bauarbeiten zu stoppen. Fotos: NOTICIA/WB
Aktivisten campen seit Wochen auf der Baustelle und haben zum Teil die Bagger besetzt, um die Bauarbeiten zu stoppen. Fotos: NOTICIA/WB

Die bereits bestehenden Häuser in El Puertito sollen von dem Projekt nicht betroffen sein. Einige Bewohner begrüßen die Bebauungspläne, da sie davon ausgehen, dass die Anlage das Gebiet aufwerten und landschaftliche Verbesserungen mit sich bringen wird. Auch hoffen sie, dass dadurch das Problem der wilden Camper beseitigt wird. Die Bauträger haben sich dazu verpflichtet, die 20 Häuser in der Bucht von El Puertito zu erhalten.
Umweltgruppen und -organisationen sind dagegen, gelinde gesagt, besorgt. Es herrscht regelrechte Wut über die Entscheidungen von Politikern, die weitere folgenschwere Eingriffe in die Natur der Insel genehmigen und nicht davor zurückschrecken, die Bebauung der Küste weiter zu fördern.

Die geänderten Bilder, die Cuna del Alma auf der Website präsentiert, zeigen eine in Flachbauweise terrassenförmig angelegte Wohnanlage, die sich in die natürliche Umgebung einfügt. Dennoch weisen die Bildsimulationen auch auf einen deutlichen Eingriff in die Landschaft bis zur Küste hin. Fotos: cunadelalma.com
Die geänderten Bilder, die Cuna del Alma auf der Website präsentiert, zeigen eine in Flachbauweise terrassenförmig angelegte Wohnanlage, die sich in die natürliche Umgebung einfügt. Fotos: cunadelalma.com

Die Inselverwaltung von Teneriffa sah sich aufgrund der vehementen Proteste gegen das Projekt – auch vonseiten der politischen Opposition – zu einer Überprüfung der Unterlagen veranlasst. Dabei wurde festgestellt, dass ein archäologisches Gutachten fehlte, das zwar bei der kanarischen Regierung, nicht aber beim Cabildo eingereicht wurde. Aufgrund dessen und infolge einer Anzeige des Verbands Asociación Patrimonial Tegüico wurden die Bauarbeiten auf Anordnung des Cabildos zum Teil eingestellt. Um die Zerstörung archäologischer Objekte zu verhindern, wurde für die Fortsetzung der Arbeiten unter anderem die Überwachung durch einen Archäologen zur Bedingung gemacht.

Trotz der vorläufigen Einstellung der Arbeiten hat die Inselverwaltung das Projekt von Anfang an unterstützt. Dies wurde unter anderem durch die Anwesenheit von Cabildo-Vizepräsidentin Berta Pérez bei der Grundsteinlegung unterstrichen. Auch Adejes Bürgermeister José Miguel Rodríguez Fraga, nahm daran teil. Projekte wie dieses würden im Einklang mit der Zielsetzung der Inselregierung übereinstimmen, die sich für Nachhaltigkeit und den Respekt vor der Natur einsetze, versicherte Berta Pérez im Rahmen der Zeremonie.

Die geänderten Bilder, die Cuna del Alma auf der Website präsentiert, zeigen eine in Flachbauweise terrassenförmig angelegte Wohnanlage, die sich in die natürliche Umgebung einfügt. Dennoch weisen die Bildsimulationen auch auf einen deutlichen Eingriff in die Landschaft bis zur Küste hin. Fotos: cunadelalma.com
Dennoch weisen die Bildsimulationen auch auf einen deutlichen Eingriff in die Landschaft bis zur Küste hin. Fotos: cunadelalma.com

Diesen Sommer ist die Kontroverse um das Megaprojekt „Cuna del Alma“ weiter gewachsen. Vor mehr als drei Wochen haben Aktivisten der Organisation Salvar El Puertito einen Teil der Baustelle besetzt. Mit einem improvisierten Zeltlager wollen sie verhindern, dass die Bauarbeiten fortgesetzt werden. Einige von ihnen ketteten sich an Baumaschinen fest, und es kam zu mehreren Zwischenfällen. Die Aktivisten beschuldigten Angestellte der Baufirma, sie tätlich angegriffen zu haben. Außerdem weisen sie darauf hin, dass im Zuge der bislang durchgeführten Erdbewegungen auf dem Grundstück bereits endemische Flora zerstört wurde. In der Gegend wachsen die kakteenförmigen „Cardones“, die Kanaren-Wolfsmilch (Euphorbia canariensis).

Vonseiten des Bauträgers, der von einer lokalen Zeitung zu einer Stellungnahme aufgefordert wurde, verlautet, dass die Angestellten der Baufirma selbst Opfer von Angriffen geworden seien, die Aktivisten hätten Steine auf sie geworfen.

Die Organisation Salvar El Puertito hat einen etwa 20-minütigen Film auf Youtube veröffentlicht, der den Titel „El Puertito de Adeje, un paraíso en peligro“ trägt und in dem unter anderem Experten die Gefahren des Projektes für Natur und Umwelt erklären.

Die Bebauung soll von der geschützten Bucht mit dem kleinen Sandstrand aus auf einem 437.000 Quadratmeter großen Grundstück erfolgen. Foto: Fotosaereasdecanarias.com
Die Bebauung soll von der geschützten Bucht mit dem kleinen Sandstrand aus auf einem 437.000 Quadratmeter großen Grundstück erfolgen. Foto: Fotosaereasdecanarias.com

Offener Brief der Fundacion Canarina

Diverse Umweltschutzverbände engagieren sich, um das  Projekt und damit die weitere Bebauung der Küste zu verhindern. Unter ihnen ist auch die Canarina-Stiftung, die im Jahr 2021 gegründet wurde und deren Hauptziele der Schutz der Natur und der Umwelt auf den Kanarischen Inseln sind. Die Fundación Canarina hat sich mit einem offenen Brief an die Investoren des Projekts Cuna del Alma, die Familien Vandermarliere und Van Biervliet gewandt, in dem dargelegt wird, warum Teneriffa diese Art von Investitionen nicht mehr braucht.

Der von der Generaldirektorin der Stiftung, Anne Striewe, verfasste Brief kann auf fundacioncanarina.org unter „Neuigkeiten“ gelesen werden.

Gründer der Fundación Canarina sind übrigens Horst Eckert, alias Janosch, und seine Frau Ines, die sich schon immer für Umwelt- und Tierschutzprojekte engagiert haben und seit 1980 auf Teneriffa leben.

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