Minderjährige aus der juristischen Grauzone befreien


Kanarische Regierung verlangt entsprechende Maßnahmen bei der Reform des Ausländergesetzes

Die kanarische Regierung hat über die Ministerin für sozialen Wohlstand, Inés Rojas, bei der Immigrationstagung in Madrid die Stimme für die Kinder in den Cayucos erhoben. Rojas forderte von Arbeitsminis­ter Celestino Corbacho, dass die Thematik der minderjährigen illegalen Immigranten im Rahmen der geplanten Reform des Ausländergesetzes behandelt wird, „um die Flüchtlingskinder endlich aus der juristischen Grauzone zu befreien“.

Madrid – Im Frühling soll das Ausländer- bzw. Einwanderungsgesetz im Kongress überarbeitet werden, und in der vorläufigen Projektplanung ist die Thematik der Minderjährigen nicht vorgesehen. Inés Rojas erinnerte daran, dass das größte Problem der illegalen Einwanderung auf dem Seeweg zwischen Westafrika und den Kanaren liegt, eine Folge der Entscheidung Spaniens, die südlichen Grenzen unpassierbar zu machen. „Wenn wir zehn Jahre später nicht in der Lage sind, das Problem der Minderjährigen anzugehen, werden wir eine große Chance verpassen. Wenn wir weiterhin die Maßnahmen verschärfen und die Einwanderung Erwachsener in Cayucos und Pateras immer stärker kontrollieren, werden wir dadurch die Kindermigration fördern, was unsinnig ist“, stellte Rojas fest. 

Obwohl die Debatte noch längst nicht beginnt, haben bereits vier Regionen – Katalonien, Murcia, die Balearen und Castilla-León – der kanarischen Ministerin in deutlicher Form zugestimmt und ihre Forderungen unterstützt.

Die Staatssekretärin für Migration, Consuelo Rumí, zeigte sich bereit, alle Vorschläge der autonomen Regionen bei der Reform der „Ley de Extranjería“ zu berücksichtigen bzw. zu diskutieren.

Neues Heim in La Orotava

Die Kanarische Regierung wird Ende Februar in La Orotava ein weiteres Heim für minderjährige Flüchtlinge eröffnen. Das neue „Centro de Menores“ in La Orotava auf Teneriffa wird 40 Kinder und Jugendliche aufnehmen, und trotzdem wird es die Überlastung der anderen Heime nicht regeln. Mit der bevorstehenden Eröffnung werden es dann dreißig kleinere und größere Heime für minderjährige Immigranten auf den Kanaren sein. Einige davon wurden als Notquartiere geschaffen, nachdem sich die Zahl der Kinder ohne erwachsene Begleitung bzw. Angehörige in Flüchtlingsbooten vor etwa zwei Jahren drastisch erhöht hatte.

Obwohl sich die kanarische Regierung bemüht, die Kinder in kleinen Gruppen unterzubringen, damit ihre Gemeinschaft einem Zuhause so ähnlich wie möglich wird, ist dies kaum umsetzbar. Allein in den ersten vierzig Tagen dieses Jahres kamen 89 neue Minderjährige an.

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