Den „Salto del Pastor“ gibt es nur auf den Kanarischen Inseln
So wie La Gomera seine einzigartige Pfeifsprache, den „Silbo“, hat, den die Hirten nutzten, um sich kilometerweit über die unwegsamen Barrancos hinweg zu verständigen, so ist für die gesamten Kanarischen Inseln der „Salto del Pastor“, der Hirtensprung, ein kulturelles Merkmal, das so nur hier anzutreffen ist.
Es handelt sich dabei um eine Stabsprungtechnik, mit der sich die Hirten auf Teneriffa in den zerklüfteten Felslandschaften mit hoher Geschwindigkeit bewegten und Hindernisse überwinden konnten, die ohne Hilfsmittel nicht zu bewältigen wären. Hierzu wird ein drei bis vier Meter langer, nach unten sich verdickender und in einer Metallspitze endender Stab mitgeführt. Mit diesem stützt sich der Hirte im zerklüfteten Gelände ab, um Felsspalten zu überspringen, oder er lässt sich daran, fast wie an einer Feuerwehrstange, hinabgleiten, um einige Meter Steilwand abwärts zu passieren.
Nun soll der „Salto del Pastor“ von der Kanarenregierung zum Bien de Interés Cultural, zum Kulturgut, erklärt werden. Ein entsprechender Vorschlag des Abgeordneten José Luis Perestelo wurde vom kanarischen Parlament einstimmig unterstützt.
Der Kanarische Hirtensprung-Verband (Federación de Salto del Pastor Canario) hat sogar noch ehrgeizigere Pläne. Wie schon den gomerischen Silbo möchte er die einzigartige Fortbewegungstechnik zum Weltkulturerbe der UNESCO erklären lassen. In diesem Sinne ist die Initiative des kanarischen Abgeordneten willkommen, doch stimmt der Verband mit Perestelos Einordnung des Hirtensprungs als Sport nicht überein. Es handle sich nicht um eine einheimische Sportart, stellt der Präsident des Verbandes Juan Alemán klar, sondern um ein kanarisches Kulturgut. Es gehe hier nicht einfach nur um das Springen, sondern um das Leben der Hirten in den typischen Weidegründen der von Steilhängen geprägten kanarischen Landschaft.
Zum ersten Mal schriftlich erwähnt wurde der „Salto del Pastor“ im Jahr 1590 von dem Portugiesen Gaspar Frutuoso, der beschrieb, wie die Guanchenhirten tagaus, tagein mit ihren lanzenartigen Sprungstäben auf der Schulter über die Berghöhen zogen. Ein anderer Chronist aus der Zeit der spanischen Eroberung schrieb:
„… und selbst aus drei Lanzenlängen Höhe werfen sie sich herab und landen mit solcher Leichtigkeit auf dem Boden, dass sie wie Vögel erscheinen.“