Spanischer Energie-Sparplan ist in Kraft getreten

Teresa Ribera, Ministerin für den ökologischen Wandel Foto: EFe

Teresa Ribera, Ministerin für den ökologischen Wandel Foto: EFE

Bereits am ersten Tag ist der Energiebedarf um 5,3% gesunken

Madrid – Bereits am 11. August, dem ersten Tag seit Inkrafttreten des Energie-Sparplans, den die spanische Regierung beschlossen hatte, um landesweit den Gasverbrauch zu senken, ist der Energiebedarf im Durchschnitt um 5,3% gesunken. Während nach vorläufigen Angaben des nationalen Übertragungsnetzbetreibers Red Eléctrica am Tag zuvor noch 794 GWh (Gigawattstunden) verbraucht wurden, so waren es am Tag darauf bereits nur noch 752 GWh. Ob der Rückgang jedoch tatsächlich schon auf die neuen Energiesparmaßnahmen zurückgeführt werden kann, ist vorerst noch unklar. Ein direkter Zusammenhang könne vorerst noch nicht hergestellt werden, heißt es aus dem Sektor. Begründet wird dies unter anderem auch dahingehend, dass die derzeitigen Wetter- und Arbeitsbedingungen nicht vergleichbar seien, da die betreffende und die darauffolgende Woche aufgrund der Feiertage ohnehin der Zeitraum mit der niedrigsten Arbeitsproduktivität des Jahres sei. Außerdem, so heißt es aus Branchenkreisen weiter, sei ein einziger Tag der Umsetzung der Maßnahmen ein viel zu kurzer Zeitraum, um Vergleiche anzustellen, die die tatsächlichen Auswirkungen des Plans vertrauenswürdig widerspiegeln.

Auch der Vergleich mit dem Energiebedarf im selben Zeitraum des Vorjahres gebe nicht wirklich Aufschluss über die eigentlichen Auswirkungen, wird weiter argumentiert. So lag die Gesamtstromnachfrage am 11. August in diesem Jahr beispielsweise sogar um 2,2% höher als am entsprechenden Tag in 2021. Damals herrschten jedoch, abgesehen zu den wetterbedingten Umständen, noch zahlreiche Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie, wie eingeschränkte Kapazität und Geschäftszeiten sowie Reisebeschränkungen, und die Aktivität allgemein hatte sich längst noch nicht auf dem Niveau von vor der Pandemie eingependelt.

Welcher Anteil der Nachfrageschwankungen demnach tatsächlich auf den Energie-Sparplan zurückgeführt werden könne, sei zu diesem Zeitpunkt noch schwer nachzuweisen, heißt es aus Kreisen des spanischen Energiesektors. Für eine vertrauenswürdige Analyse der Entwicklung bedürfe es in jedem Fall eines weitaus längeren Zeitraums.
Die von der Regierung am 1. August beschlossenen Maßnahmen zur Senkung des Gasverbrauchs betreffen vor allem bestimmte öffentliche Gebäude – Privathaushalte und Industrie sind davon ausgenommen. So darf seit dem 11. August die Temperatur in öffentlichen Einrichtungen, Regierungsgebäuden, Kaufhäusern, Kinos, Hotels, Büros, Friseursalons und Geschäften beispielsweise nur auf 27 Grad heruntergekühlt werden, und im Winter dürfen die Innenräume in den betroffenen Gebäuden wiederum nur bis auf höchstens 19 Grad beheizt werden. Auch muss die Beleuchtung von Schaufenstern und öffentlichen Gebäuden ab 22 Uhr abgeschaltet werden.

Ab September müssen die von der Temperaturregelung betroffenen Einrichtungen darüber hinaus Plakate oder Bildschirme installieren, die über die Temperaturlage und die getroffenen Sparmaßnahmen informieren, sowie Türschließsysteme einrichten, die den Austritt von Kälte oder Wärme begrenzen. Teresa Ribera, die Ministerin für den ökologischen Wandel, wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass diese Maßnahmen zu einer Senkung des Gasverbrauchs von zwischen 4 bis 5% führen können.

Das Maßnahmenpaket, das die Regierung per Dekret erlassen hat, wird von der Opposition –allem voran die von der konservativen PP regierte autonome Region Madrid – heftig kritisiert. Die Kritik richtet sich dabei nicht nur gegen den Inhalt der verordneten Maßnahmen, sondern vor allem gegen die Tatsache, dass man sich mit ihr in keiner Weise über die Umsetzung beraten habe, obwohl die Verantwortung für die Einhaltung in Händen der autonomen Regionen läge.

Zwischenzeitlich hat das Ministerium für den ökologischen Wandel die autonomen Regionen dazu aufgefordert, bis Ende August weitere Maßnahmen zur Energieeinsparung vorzuschlagen, um den Notfallplan vorzubereiten, den Spanien ebenso wie die anderen europäischen Mitgliedsstaaten im September in Brüssel vorlegen müsse.

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