10Ein Waldbrand in Moguer griff auf den Doñana-Nationalpark über
Madrid – Nur eine Woche, nachdem über sechzig Menschen bei Waldbränden im benachbarten Portugal ums Leben kamen, brach nahe der Ortschaft Moguer in der Küstenregion Andalusiens ein Wald- und Geländebrand aus. Das Feuer drang schnell bis zur Naturlandschaft Doñana vor und fraß sich tief in den Park hinein.
Der Doñana-Nationalpark ist eines der wichtigsten und artenreichsten Naturreservate Spaniens, UNESCO Welterbe seit 1994 und eine Touristenattraktion. Das über 50.000 Hektar große Areal aus Feuchtgebieten und Wäldern ist ein wichtiges Rastgebiet für Zugvögel aus Afrika und Europa. Es ist auch der Lebensraum verschiedener bedrohter Tierarten, darunter der Pardelluchs, das Europäische Chamäleon und der Spanische Kaiseradler.
Durch das Feuer wurden 8.486 Hektar Landschaft verwüstet, von denen 6.761 zum Doñana Nationalpark und dessen Umgebung gehören. Aus den Campingplätzen Doñana und Cuesta de la Barca, dem Hotel Solvasa und dem Parador Mazagón, verschiedenen Wohngebieten, einer Flüchtlingssiedlung sowie dem Institut für Raumfahrttechnik INTA mussten insgesamt 2.000 Personen evakuiert werden. Während der Löscharbeiten, die durch ständige Windrichtungswechsel erschwert wurden, waren elf Hubschrauber, 19 Lösch- und Beobachtungsflugzeuge und über 200 Brandbekämpfer im Einsatz.
Kohlenhandlung als Auslöser
Die Untersuchung der Brandursache ergab, dass das Feuer in einer Kohlenhandlung nahe Moguer seinen Ausgangspunkt hatte. Es soll durch fahrlässiges Verhalten verursacht worden sein. Damit wurde die Befürchtung, welche die andalusische Opposition und besorgte Bürger in den sozialen Netzwerken geäußert hatten, widerlegt, dass Brandstiftung im Spiel sein könnte, um eine Umwidmung des Gebiets und die Freigabe zur industriellen Nutzung von Teilen des Umlandes des Nationalparks zu erreichen.
Luchse in Gefahr
Besondere mediale Aufmerksamkeit wurde den im Doñana-Park lebenden Pardelluchsen zuteil. Als die Flammen die Reviere der vom Aussterben bedrohten Raubkatzen erreichten, wurde eine Evakuierung der Tiere durchgeführt, und die ganze Nation sorgte sich um mehrere Exemplare, die vermisst wurden.
Das Zuchtzentrum El Acebuche musste aufgrund des Feuers geräumt werden. Während neun erwachsene Luchse und fünf Jungtiere gefangen und in Sicherheit gebracht werden konnten, reichte die Zeit nicht, 13 weitere Tiere zu fangen. Deshalb wurden die Türen der Gehege offen gelassen, damit die zurückgelassenen Luchse nötigenfalls aus eigener Kraft das Weite suchen konnten. Diese Tiere wurden mittlerweile in der Umgegend des Zuchtzentrums aufgespürt und werden mit Käfigfallen wieder eingefangen.
Ein Luchsweibchen namens Homer überlebte den Stress, den die Räumung der Gehege und der Transport mit sich brachten, nicht. Sie war eines der produktivsten Weibchen des Zuchtprogramms und hatte erst am 19. Mai zwei weitere Junge zur Welt gebracht.
Einige der schon ausgewilderten und frei im Doñana-Park lebenden Luchse wurden ebenfalls durch das Feuer erreicht. Die Wildhüter gehen davon aus, dass etwa acht Junge von vier frei lebenden Weibchen den Brand nicht überlebt haben.
Freiwillige Helfer
Der Brand war noch nicht gelöscht, da meldeten sich Schulen, Nachbarschaftsvereine und Unternehmen, um Hilfe bei der Aufforstung anzubieten. Regelmäßige Schulausflüge, bei denen die Kinder Setzlinge mitbringen und einpflanzen sollen, sind in Planung. Auf einer eigens für die Koordination der freiwilligen Helfer eingerichteten Website des Umweltministeriums haben sich bereits 2.500 freiwillige Helfer eingeschrieben.
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